Tagebuch

Eichkatze

Eichhörnchen, Eichhörnchen,

ich bring dich um,

Eichhörnchen, Eichhörnchen,

du bist so dumm.

Du blödes Tier, was willst Du hier?

Du bist an allem Schuld.

An Corona und an Inflation,

an kalten Füßen und Ratatouille.

An Reimen, die sich nich paaren.

Und Jungs, die zur Hölle fahren.

An Schwächen bei der Erektion!

Du rotes Biest, du Sack, du Pelz, du Arsch!

Im Efeu und im Haselnussstrauch!

Ich blas‘ dir einen Marsch

und brenn dir einen auch.

Mit der Kalaschnikow blas-brenn ich Dir den Schädel ab

und ab mit dir ins Elends-Grab.

Du gottserbärmlich Rattenviech,

du Höllensamen, Teufelssporn.

Was kiekst mir auf dem Rasen an?

Ich nehm die Schaufel, warte Mann!

Und dann zur Breizerkleinerei.

Eichhörnchen, Eichhörnchen, vermaledei!

22.10.2020

In der Gemüsekiste gibt es Rote Beete. Das erinnert mich daran, dass mein Großvater Rote Beete abgrundtief hasste, aus politischen Gründen. Er nannte sie stets „die kommunistische Frucht“. Überhaupt hielt er nicht viel von allen Fuchsschwanzgewächsen, weil er den Fuchs für ein hinterlistiges und sozialistisches Tier hielt. Wenn meine Großmutter Rote Beete kochte, gab sie sie als ‚Kosakenrübe‘ aus, aber auch das war nach dem 17. Juni nicht mehr möglich. Daraufhin einigten sich mein Großvater und Großmutter auf die Bezeichnung ‚Blutkohl‘. Wenn Großmutter Fuchs kochte, hieß das stets ‚Igelgulasch‘. Ich mag Rote Beete, könnte allerdings auch darauf verzichten.

Blutkohl wäre eine viel treffendere Bezeichnung für das koreanische Nationalgericht Kimchi, vor allem in der letzten Phase der Verdauung. Da in Korea aufgrund von Missernten (Danke Corona!) eine Weißkohlknappheit herrscht, ist die traditionelle Kimchi-Fermentierung in großer Gefahr. Die Krise könnte sogar zu einer Wiedervereinigung zwischen dem kommunistischen und dem guten Teil des Landes führen. Wie wir aus der eigenen Geschichte wissen, eine schreckliche Katastrophe mir horrenden kulturellen, wirtschaftlichen und soziologischen Folgen. Seid gewarnt, Koreaner! Lasst aber auch die Stäbchen von unserem Kohl! Heute sah ich auf dem münsteraner Wochenmarkt schon etliche Süd-Koreaner um die Gemüsestande schleichen und die prallen, runden, weißen Prachtbälle der Marktfrauen begaffen. Die brauchen wir selber fürs Suurmoos. Meinetwegen deckt Euch mit Kosakenrüben ein.

Wie mir jemand aus der Gerüchteküche berichtet – ich selbst lese ja aus Gründen der Seelen-Hygiene so gut wie keine Nachrichten mehr -, vermutet Top-Veganer Attila Hildmann, der berliner Pergamonaltar (nicht zu verwechseln mit dem Kardamomaltar) sei der Hauptsitz der Gottheit Baal. Lächerlich, absolut lächerlich der Mann, eine Witzfigur. Wie ich selbst als Erleuchteter Eleve und Träger des orientalischen Rübenordens in der Großloge vom Goldenen Igel wohl am besten weiß, ist der Pergamonaltar der heilige Stuhl der Göttin Merk-El, eine Mondschönheit des Ostens, wie Shiva die Zerstörung, das Schrecken und das Aussitzen verkörpernd. Ich erinnere mich noch heute an die warnenden Worte meines Mentors Fri-Tz Mer-Z in der Loge des Goldenen Igels: Wer dieses unseres Geheimnis verrät, dem soll auf ewig die Blutrübe schrumpfen…

In Litauen sind Katzen auch als Haarigel bekannt, sagt mir die Katze.

20.10.2020

Bei unserem letzten Urlaub in Peru haben die Katze und ich aus Spaß eine Karikatur von ihr im Maßstab von 1:40 in eine Bergwand gezeichnet. Sie war wirklich gut getroffen, fand ich, vielleicht der Schwanz etwas groß. Die Katze selbst war eher unzufrieden und meinte, die kleinen Vorderpfoten sähen mehr nach Tyrannosaurus aus. Also haben wir das Ding so gut es eben ging in der heißen Wüstensonne wieder zugeschüttet. Wie groß war mein Erschrecken, in der Zeitung zu lesen, dass sie die Zeichnung jetzt wieder ausgegraben haben. Hoffentlich kriegt die Katze nichts mit, sie leidet eh unter einer leichten Dysmorphophobie; glücklicherweise ignoriert sie meist die Zeitung, solange keine Fische drin eingewickelt sind.

Ausnahmsweise mal gute Nachrichten aus Münsters Rathaus. Nachdem der Klimawandel in letzter Zeit leider einiges an Fahrt verloren hat (Danke Corona!), und Omis in ihren Butzen befürchten mussten, doch bis ans Lebensende noch jährlich kühle Winter zu erleben mit all den dazugehörigen Kosten und Gefahren, hat sich die Stadt durchgerungen, aller öko-terroristischen Unkenrufe zum Trotz, den Heizpilz wieder gedeihen zu lassen (Danke Corona!). Wenn wir also doch noch darauf hoffen dürfen, dass eines Tages die Niederlande verschwinden und wir am tropischen Nordseestrand unsere Palmen wedeln lassen, ist dies nicht zum geringsten Teil den Säufern und Rauchern zuzuschreiben, die tapfer weiter draußen heben und dampfen.

Ich glaube, die aktuelle Staffel von ‚Babylon Berlin‘ ist kein Quotenerfolg, weil die Serie die Leute zu sehr an ihre eigenen Probleme erinnert. Nur war damals die Mode besser. Manche meinen, auch die Demagogen sexyer.

18.10.2020

Die Seuche der politischen Korrektheit hat ihr neuestes Opfer gefunden: unsere Kanzlerin. Seit ein paar Jahren – ich glaube seit dem enttäuschenden Abschneiden der Fußballnationalmannschaft bei der WM 2018 – telefonieren wir jeden dritten Sonntag des Monats abends und spielen uns gegenseitig unsere Lieblingsmusik vor. Die Kanzlerin hat einen sehr eklektischen Musikgeschmack, wie viele Machtpolitiker und Kanzler vor ihr hört sie gerne Wagner, sie mag aber auch alte FDJ-Wanderlieder, Shantys, Choräle von Neander und leider Schlagermucke aus der untersten Schublade, welche sie angeblich entspannt und auf neue Ideen für die Geschicke der Bundesrepublik bringt. Schon länger versuche ich vergeblich, sie für Velvet Underground und Giorgio Moroder zu interessieren, das sei aber alles nicht so ‚fresh‘ wie Scooter, meint sie. Heute Abend ist Angela allerdings sehr aufgebracht über ‚den Wendler‘, den sie sonst mir gegenüber aufs Vehementeste verteidigt hat. „Wie kann er mir bei Covid so in den Rücken fallen?“ Wütend, aber unter Tränen. Sie hat wohl alle ihre CDs, Kassetten und Schellack-Platten von ‚dem Wendler‘ auf die Straße geworfen und Joachim Sauer musste mit dem Saab drüberfahren. Um Merkel zu beruhigen, willige ich dann ausnahmsweise ein, alle Strophen von ‚Dieser Weg‘ mit ihr zu singen. Es tröstet sie immerhin ein bisschen.

Lisa Eckhart muss unbedingt ein frisches Baby fressen, sonst wird sie noch verhungern.

Bis jetzt haben sich noch keine geilen, aber vom Genderwahn und ‚me too‘ zutiefst verunsicherte junge Paare bei mir eingefunden, um durch die milde Gabe von ein bis zwei Single-Malts in die Stimmung und Freiheit zu kommen, ihren biologischen Trieben ungebremst vom sozial-konstruierten Über-Ich nachzugeben und dadurch die Geburtenrate in unserem Land endlich wieder zu erhöhen. Stattdessen steht ein ungepflegter, heruntergekommener und wirrer älterer Herr vor der Tür und bittet um ein Schlückchen. „Mach dich vom Acker, Meinhard Zangers, und verpiß dich in dein Wolfgang-Borchert-Theater!“ rufe ich, während ich ihn mit dem Besen von der Zufahrt und durch das Tor vom Anwesen scheuche.

Die Katze ist beim Gesang von ‚Dieser Weg‘ protestierend aus dem Haus geflüchtet und wird erfahrungsgemäß wohl erst morgen wieder heimkehren.

17.10.2020

Nachmittags trifft ein, was ich seit Tagen befürchtet habe, und Tilll Schweiger zoomt mich von seinem Führerbunker unter der Schneekoppe aus an, wo er sich vor dem gerechten Zorn aller Drehbuchautoren und vor allem -innen versteckt hält. Vor Aufregung überschlägt sich sich seine Stimme, so dass es noch mehr so klingt als sei eine Armada von Wüstenrennmäusen in ein Lkw-Getriebe geraten, und ich kann ihm anfangs kaum folgen. Zwischen all dem Schluchzen und Lamentieren und Zähneknirschen, gelingt es mir endlich herauszuhören, was ihn umtreibt und betrübt: die Undankbarkeit. Wieso hassen mich alle? jault der unbestreitbar beste deutsche Filmkünstler seit Leni Riefenstahl. Nur mit Mühe kann ich ihm überzeugend vorlügen, dass niemand ihn hasst, sondern ihn alle lieben, und das arme Sensibelchen davon abhalten, seine Karriere hinzuschmeißen, um stattdessen in Afghanistan Opiumtransporte zu begleiten. Tilll, wir brauchen Dich, flöte ich ihm vom Münsterland aus ins Riesengebirge zu. Wer sonst soll noch weitere, dringend benötigte Stofftierfilme realisieren, wie ‚Dreilochpinguin‘ oder ‚Vierkantstute‘?
Ich mache mir große Sorgen um die Geburtenrate in unserem Land. Wie, wo die Sperrstunden eingeführt werden und sogar der Alkoholverkauf an Tankstellen nach 23 Uhr verboten wird (erstmals in der Geschichte der Menschheit!), soll die lethargische und vom Genderwahn benebelte deutsche Jugend die Motivation und Kraft aufbringen, sich zu prokreieren, ohne stinkbesoffen zu sein? Paarungswillige Teenager dürfen sich daher bei mir melden, und aus meinem Vorrat an Single-Malts bedienen, solange der Hauspegel nicht unter 5 Liter fällt.
Riesenstreit mit der Katze: War Heinrich (VII.) tatsächlich des Hochverrats schuldig, oder dies nur ein Vorwand seitens des Vaters Friedrich II. den Unliebsamen los zu werden? Die Katze vertritt den nonkonformistischen Standpunkt. Als mir die Argumente ausgehen, packe ich die Katze am Nacken und schmeiße sie raus. Nun plagt mich ein einigermaßen schlechtes Gewissen. Morgen werde ich ihr ein paar Leckerlis und Recht geben müssen.

15.10.2020

Im Bus zum Bahnhof diese unsäglich Ansage zur Maskenpflicht. Wenn ich die nölende Kuh erwische, die diese Ansage macht, werde ich sie mit einer Endlosschleife ihrer Aufnahme in den Wahnsinn foltern. Mitsamt dem Leiter der Stadtwerke.
Bei Recherchen in einem Steinbruch im Hönnetal mussten wir leider ein anderes Paar Krimiautoren, die hier ebenfalls recherchierten, kaltstellen und im Kalkbruch versenken. Die Konkurrenz auf dem Fernsehmarkt ist mörderisch geworden.
Mario Bergoglio (Papst Franziskus) rief mich an, um zu fragen, ob er jetzt endlich Christian Drosten heiligsprechen soll. Ich erklärte ihm, dass dies traditionellerweise erst nach dessen Ableben geschehen könne. Hoffentlich hat er das nicht als Andeutung missverstanden, beim Vatikan muss man mit solchen Äußerungen vorsichtig sein. Wir diskutierten auch, welches Patronat in Frage käme. Frei sind wohl noch Schutzheiliger für selbstwendende Schuheinlangen und Schutzheiliger gegen exzessiven Ohrenschmalz.
Hingegen hat die Katze ihre Überlegungen enthüllt, sich gegebenenfalls der anglikanischen Kirche zuzuwenden, sollte die Pilgerfahrt nach Lourdes nicht den erwünschten Erfolg zeitigen. Sie nimmt nun eine reine Fisch-Diät zu sich.

14.10.2020

Ich habe mich entschlossen, Tagebuch zu führen. Vielleicht helfen meine Einträge eines Tages nachzuvollziehen, wie Deutschland sich von der Vorzeige-Demokratie Europas zur Hygiene-Diktatur wandeln konnte, falls dies geschieht. Heute kann ich nichts darüber berichten, bis auf dass die Katze mir mit den Pfoten die Milchdrüsen zärtlich massierte. Bald darauf brachte uns der freundliche DHL-Bote eine Flasche Single-Malt, so dass ich die leere mit der Hülle ins Altpapier schmeißen konnte (der Altglas-Container ist bei mir sehr weit weg).
Alle meine intellektuellen Freunde kennen „den Wendler“. Der Katze ist er unbekannt. Der Mann hat also alles richtig gemacht, denn die Katze kauft noch weniger Tonträger als ich.
Ich frage mich, ob ich von Philosophie weniger verstehe, oder von Webdesign (bzw. coding)?