Ein Flucht-Nibelunge

Was bin ich nur für ein schlechter Germane!
Ein Flucht-Nibelunge.
Steh nicht stramm unter der Schrebergartenfahne,
Und gröle nie mit vollster Zunge.

Ich bin Ehren-Levantiner,
Einmal mindestens im Jahr.
Wenn ich stolz wie Alexander
An das mare nostrum fahr.

Alle Griechen können es riechen:
Dieser Kerl ist unser einer. Held!
Tu ich auch an Hilios siechen,
Und die Schwarte rötlich pellt.

Es zählt der innere Hellene,
Und von denen hab ich drei:
Der Tapfere, der Gute und der Schöne!
Ei, auch der Faule ist dabei.

Am Strand begrab’ ich den Teutonen.
‘S wird nur leise sich beschwert,
Dass in mir, ach, zwei Seelen wohnen,
Und nirgends nix nach Fahrplan fährt.

Sanft streichelt Aiolos, der Wind,
Mir übers weinfarbene Gesicht.
Ich bin Poseidons Findelkind,
Nur niemals ein Germane nicht.

’s ist Krieg!

’s ist Krieg! s‘ ist Krieg! O Gottes Engel wehre,
Und rede du darein!
’s ist leider Krieg – und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein!

Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen
Und blutig, bleich und blaß,
Die Geister der Erschlagenen zu mir kämen,
Und vor mir weinten, was?

Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten,
Verstümmelt und halbtot
Im Staub vor mir sich wälzten und mir fluchten
In ihrer Todesnot?

Wenn tausend, tausend Väter, Mütter, Bräute,
So glücklich vor dem Krieg,
Nun alle elend, alle arme Leute,
Wehklagten über mich?

Wenn Hunger, böse Seuch und ihre Nöten
Freund, Freund und Feind ins Grab
Versammelten, und mir zur Ehre krähten
Von einer Leich herab?

Was hülf mir Kron und Land und Gold und Ehre?
Die könnten mich nicht freun!
’s ist leider Krieg – und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein!

  • Matthias Claudius

World Sensation !

NOW ALSO ENGLISH !

TAGEBUCH is happy and proud to announce that our partner site POSTE RESTANTE – Ansichtskarten aus Griechenland is now also featuring postcards in the Englisch. Yes, it is true. We have spared neither costs nor efforts and have managed to acquire 100 postcards sent from Greece to jolly old UK. Finally it will be possible for serious scientific students of the postcard to compare the writings of the Germanic peoples to home and the English peoples to home. My first conclusion (not yet verified by peer study): the British talk more about the winds. Maybe cause of Beaufort. I keep them posted and you can see (read) for yourselves. Merry new year from TAGEBUCH.

Below see example:

17th May 1990
There is a 1000 ft drop the other side of this church (honey comb themed roof and remains of simple painting on walls They cover the few religious vestments over altar with polythene v. necessary because of the rats!) it is at the top of a fortified village built on a rock island it’s the last stronghold in the Peloponnese – shades of Turkey with ruins everywhere – fascinating Cyclades islands white roofed houses Peloponnese more like Turkey. Working our way to the Ionian islands.
Love
G.

Find more lovely postcards (some English, mostly German, only few Dutch) here.

SPENDENAUFRUF !

Die norwegische Armee ist nur noch bedingt einsatzbereit, es mangelt ihr an Unterwäsche, aufgrund der Igelgrippe. Der Zusammenhang erschließt sich mir zwar auch beim zweiten Nachdenken nicht, aber soll das mich davon abhalten, umgehend und mit vollem Herzen zu helfen? Nie und nimmer. Bevor der fiese Russki über die Nordflanke einmarschiert, spende ich lieber. Drei, vier Unterbuxen, die ich nicht mehr benötige, habe ich immer rumliegen. Ein paar davon kaum gebraucht, da zu klein gekauft. Ich werde sie stante pede Richtung Oslo schicken.

Wenn auch die werte Leserin oder der werte Leser helfen möchte, dann sendet bitte Eure (nicht zwingend gebrauchten) Unterhosen und Büstenhalter an:

Königlich Norwegische Botschaft
„Kotname Telemarken“
Rauchstraße 1
10787 Berlin

Bitte die Unterhosen und Schlüpfer ausreichend frankieren.

Makedonische Liebesgeschichte

Auf HELLAS POSTE RESTANTE präsentieren wir zurzeit eine Weltsensation, eine waschechte Liebesgeschichte in Ansichtskarten.

Vor einiger Zeit hatte ich ein Konvolut von acht Ansichtskarten erworben. Bei näherer Durchsicht fiel mir auf, dass drei von ihnen die Liebesgeschichte zwischen einem Griechen aus Thessaloniki und einer Schweizerin in Schaffhausen erzählen, über einen Zeitraum von fast zwanzig Jahren.

Die erste Karte ist von 1956. Hier wünscht ein Paul (Pavlos) der Schweizer Familie H. ein schönes Weihnachtsfest.

Das nächste Kapitel, die Karte von 1958, ist das Leidenschaftlichste. Pavlos schreibt der Angebeteten Vreni H. aus Thessaloniki. Es ist ein kalter November wohl, sie soll bloß gesund bleiben, erst im nächsten Februar können sie sich wiedersehen. Wo haben sie sich wohl kennengelernt? In Griechenland? Oder in der Schweiz? Hat Pavlos dort gearbeitet? Und Deutsch gelernt? Jedenfalls verzehrt er sich nach seinem Liebling.

1974, 16 Jahre, später scheint alles in trockenen Tüchern. Die letzte Karte geht an den Patriarchen Hermann H., der, wie es aussieht, alleine in Schaffhausen geblieben ist, während Vreni, Pavlos und (Mutter?) Ruth der Heimat von Paul (Thessaloniki) einen Besuch abstatten. Das Wetter ist natürlich einmalig. Es gibt Grüße von Paul, Ruth und Vreni an den armen Hermann, der daheim bleiben musste, oder sich vielleicht endlich mal in Ruhe den Rosen im Garten oder dem Bier vor dem Fernseher widmen konnte.

Was weiter mit Pavlos und Vreni und Familie H. geschah? Das sei der Phantasie meiner Leser überlassen. Falls Ihr mich fragt, ich bin mir sicher, sie lieben sich heute noch innig, sind über 100 Jahre alt und küssen sich jeden Abend auf ihrer Dachterrasse am Leoforos Nikis beim Betrachten des Sonnenuntergangs über dem Thermaischen Golf. Bravo!

Weitere Liebesgeschichten und Ansichtskarten gibt es auf Poste Restante.